![]() |
Lexikon "Experimentieren" |
Alkohol entsteht aus Zucker. Grundsätzlich können daher alle essbaren Früchte, die Zucker enthalten, für die Weinbereitung verwendet werden. Auch bestimmte Blüten (z.B. Löwenzahn oder Holunder) eignen sich für solche Getränke, allerdings liefern sie nur das Aroma. Zucker und Säure müssen dann zugesetzt werden. Die einzelnen Schritte:
Reife, gesunde und saubere Früchte werden gewaschen, um Staub, Spritzmittelreste und Mikroorganismen zu entfernen.
Die Früchte werden zerkleinert, denn ganze Früchte lassen sich
meist nicht auspressen. Weiche Früchte (Erdbeeren, Sauerkirschen usw.) lassen
sich mit den Händen zerdrücken, für andere (Äpfel, Birnen, Quitten) benötigt man
Handmühlen o.ä. Die zerkleinerten Früchte nennt man Maische.
Früchte, die reichlich Pektine enthalten, neigen zum Gelieren. Durch Zusatz von Anti-Geliermittel (natürliches Enzym) können die Pektinstoffe in der Maische abgebaut werden, so dass je nach Fruchtart und Temperatur die Maische nach mehreren Stunden relativ leicht abgepresst werden kann.
Das Abpressen der Maische, d.h. die Trennung des Fruchtsaftes von den festen Stoffen, ist meist der schwierigste Schritt. Verwendet werden können hierzu ein Presssäckchen aus Leinen oder kleine Druckpressen (Spindelpressen). Bei manchen Früchten (z.B. Erdbeeren) wird die Maische ohne vorheriges Abpressen zur Gärung gebracht (Maischegärung).
Die notwendigen Zutaten für jeweils 10 Liter Wein kann man der
folgenden Tabelle entnehmen:
Obst- und Fruchtweine
Ausgehend von der gemessenen Saft- oder Fruchtmenge errechnet man
die entsprechenden Mengen der anderen Zutaten mit Hilfe der
Dreisatz-Rechnung.
Beispiel: Man hat 11 kg Erdbeeren geerntet und
möchte daraus Erdbeerwein herstellen. Nach den Rezepturangaben sind für 6 kg
Erdbeeren 3,5 Liter Wasser und 2,5 kg Zucker als Zutaten notwendig.
|
Für 11 kg Erdbeeren werden 6,4 Liter Wasser benötigt. |
|
Bei 11 kg Erdbeeren müssen 4,6 kg Zucker zugesetzt werden. |
Bei den anderen Zutaten verfährt man entsprechend. Für den Hefe-Zusatz gilt: Pro Gäransatz, unabhängig von der Literzahl, wird ein Fläschen Reinzuchthefe zugesetzt. Man kann auch auf Hefe aus einem bereits gärenden Ansatz zurückgreifen.
| Viel einfacher geht die Ermittlung der
Zutatenmenge mit Hilfe des Berechnungspro-gramms von
chemie-master.de: |
![]() |
Obwohl die meisten Früchte bereits
reichlich mit Hefesporen behaftet sind, setzt man zur Entwicklung eines
optimalen Aromas eine Reinzuchthefe zu. Am besten wird die Reinzuchthefe
einige Tage vorher in ca. 1/4 Liter Apfelsaft in einer mit einem
Wattebausch verschlossenen Flasche vermehrt. Der angegorene Apfelsaft wird
dann dem Fruchtsaft (bei Maischegärung der Maische) zugesetzt. Zur
Verbesserung des Hefewachstums setzt man sinnvollerweise noch etwas
Hefe-Nährsalz hinzu.Der Gärbehälter wird höchstens zu 90% befüllt (bei
Maischegärung höchstens zur Hälfte) und mit einem Gäraufsatz verschlossen.
In den Gärverschluss kommt etwas Wasser. Der Gärbehälter wird öfters
kräftig durchgeschüttelt. Er sollte nicht zu warm stehen. Gärdauer bei
leichten Tischweinen ca. 2 bis 4 Wochen, alkoholreiche Dessertweine
benötigen 2 bis 6 Monate. Der Gärungsfortgang kann durch Geschmacksproben
verfolgt werden. Hefepilze |
Gärverschluss ("Gärröhrchen") | |
Die Selbstklärung des Weines beginnt mit beendeter Kohlenstoffdioxid-Bildung. Der Wein ist dann ruhig und wird jetzt kühl gestellt. Trubteilchen und Hefezellen setzen sich am Boden ab.
Nach nicht allzu langer Zeit erfolgt der erste Abstich. Dabei
lässt man den inzwischen teilgeklärten Wein mit einem Schlauch in ein tiefer
stehendes Gefäß fließen. Bodensatz nicht aufwirbeln! Der Bodensatz wird
verworfen, das Gärgefäß gereinigt und erneut mit dem jetzt teilgeklärten Wein
gefüllt. Bei Bedarf den Abstich wiederholen. Den Wein kühl stellen. Das
Aufbewahrungsgefäß sollte randvoll gefüllt werden, um Sauerstoffzutritt zu
verhindern.
Zur Verbesserung der Haltbarkeit kann der Wein »geschwefelt«
werden. Hierzu gibt man auf 10 L Wein jeweils 1 g Kaliumdisulfit (=
Kaliumpyrosulfit,
Empfehlenswerte Literatur:
"Kitzinger Weinfibel"
Die Zutaten (Hefe-Nährsalz, Milchsäure, Antigeliermittel, Reinzuchthefen) sind ebenso wie die "Kitzinger Weinfibel" in Drogerien oder Apotheken erhältlich.
Siehe auch: Zutatenberechnung für die Weinbereitung