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Der Name "Europa"
Woher kommt der Name "Europa"?
Warum wird Europa oft dargestellt als Frau mit einem Stier?
Eine alte griechische Sage erzählt, woher der Erdteil
Europa seinen Namen hat:
Fern von Griechenland wuchs die wunderschöne Königstochter
Europa heran, der niemand an Schönheit glich. Oft ging
sie mit ihren Gefährtinnen hinaus aus dem Palast des
Vaters zu Spiel und Tanz. Niemand wusste, dass Zeus, der Göttervater,
in Liebe zu Europa entbrannt war und keinen größeren
Wunsch hatte, als Europa zu gewinnen. Doch nur eine List konnte
ihn zum Ziel führen.
Er befahl Hermes, seinem geflügelten Boten, eine Viehherde
zum Spielplatz der Mädchen zu treiben. Während Hermes
gehorchte, verwandelte sich Zeus in einen prächtigen
Stier und mischte sich unbemerkt unter die Herde. Mit funkelnden
Augen blickte er zu den tanzenden jungen Frauen hinüber.
"Wie herrlich ist der Stier anzusehen!", rief Europa.
Da ließ sich der Stier zu Füßen Europas nieder,
als wollte er sie einladen, auf seinem Rücken zu reiten.
Europa bekränzte die Hörner des Stiers mit Blumen
und schwang sich dann auf seinen Rücken. Im gleichen
Augenblick stand der Stier auf, setzte sich in Bewegung und
trabte immer schneller davon. Europa klammerte sich angstvoll
an die Hörner. Schon erreichten die beiden das offene
Meer. Das seltsame Paar stürzte sich in die Wellen, und
der Stier schwamm wie ein Schiff mit Europa dahin. "Fürchte
dich nicht", sagte er. "Ich führe dich deinem
höchsten Glück entgegen."
Endlich erreichten sie neues Land. Der Stier ließ Europa
absteigen und entschwand alsbald ihren Blicken. Hilflos schaute
sich Europa im fremden Land um und sah plötzlich einen
Mann vor sich stehen. Dieser redete sie freundlich an: "Ich
bin der König dieses Landes, das Kreta heißt. Ich
will dich beschützen, wenn du meine Gemahlin wirst."
Europa reichte ihm ihre Hand und willigte ein. Lange Jahre
lebte Europa als Königin auf der Insel an der Seite ihres
Gatten. Sie sollte unsterblich sein, denn der Erdteil, der
sie aufnahm, trug für alle Zeiten ihren Namen: Europa.
Nach: Gustav Schwab: Griechische Sagen, München 1986/dtv. |
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